Deutscher Hip-Hop – alles Gangsta?

13Dez11

Wer an deutschen Hip-Hop und Rap denkt, denkt (auch) an Kool Savas, Sido und Bushido. Es sind Vertreter des sogenannten Gangsta-Rap, einer Unterart des Hip-Hop.

Doch was ist dieser Rap überhaupt? Wo kommt er her? Seit wann gibt es ihn in Deutschland? Und sind alle deutschen Rapper Gangsta?

Nach einer Definition eines Online-Wörterbuchs ist Gangsta-Rap „a style of rap music, usually characterized by lyrics about Black street gangs in the US, often with violent, nihilistic, and misogynistic themes“.

Wikipedia geht hier noch einen Schritt weiter und ergänzt: „Der Ausdruck Gangsta Rap ist dabei normalerweise dem Hip-Hop der Westcoast und der Südstaaten vorbehalten, inhaltlich und stilistisch ähnlicher Eastcoast Hip-Hop wird als Hardcore-Rap bezeichnet.

Entstanden ist er Ende der 70er Jahre in den Ghettos und Armenvierteln, insbesondere der der Großstädte. Wer als ‚Stammvater‘ gilt, ist umstritten. Manche sagen, es sei Ice-T, der als erster kommerziellen Erfolg in diesem Bereich hatte, andere behaupten, es wären Public Enemy, die mit Waffen posierten.

Fakt aber ist, dass Gangsta-Rap immer erfolgreicher wurde und immer mehr Rapper sich hiermit identifizierten. Heute gilt er als kommerziell erfolgreichstes Subgenre des Hip-Hop.

In Deutschland ist er noch recht jung. Mitte der neunziger Jahre kam er aus den USA nach Deutschland, wo er vom Rödelheim Hartreim Projekt, welches Moses Pelham 1993 gegründete, erstmals kommerziell verwendet wurde. Ein Beispiel ist das Lied/Video „Wenn es nicht hart ist“.

Der Durchbruch aber – hierin scheinen sich die meisten Szenekenner einig – kam durch zwei Künstler: Kool Savvas, der sich vor allem in der Anfangszeit mit harten und teilweise gewaltverherrlichenden Titeln einen Namen machte, von denen er sich heutzutage allerdings distanziert. In dem Lied „Das Urteil“, disst er seinen Künstlerkollegen Eko Fresh, nachdem dieser über ihn in seinem Song „Die Abrechnung“ herzieht.

Der zweite Wegbereiter ist der Berliner Charnell, der während seiner Jugend Erfahrungen mit Banden- und Drogenkriminalität machte. Mehrere USA-Besuche prägten ihn ebenfalls. In der Szene gilt Charnell als einer mit den aggressivsten Texten. Auch er hatte mit einem Kollegen einen Diss – 2004 forderte er Sido zum Battle auf: „Kriegserklärung! Spacko Berlin, wir fordern euch zu einem offenen Battle heraus. Es ist die letzte Chance, eure Ehre zu wahren“, schreibt Charnell im Forum von PX Records. Sido antwortete hieraufhin in seinem Lied „Die Sekte“: „Ich bin täglich auf den Straßen, dich hab ich nie gesehen. Wir könnten uns auch Mafia nennen, Armee oder Kartell. Denn wir ficken jeden. Hör gut zu, Charnell!“ Eine endgültige Antwort auf das Battle-Angebot gab Sido jedoch nicht.

Heute sieht Charnell seine Musik so:

Ich arbeite heute ernsthaft daran, dass meine Texte nicht mehr als Verherrlichung von Gewalt od. Kriminalität missverstanden werden. Die Leute, die meine Musik hören, sollen ja deswegen keine Scheiße bauen od. dazu angeregt werden Scheiße zu bauen. Ich habe heute selber Kinder, ich weiß, dass junge Kinder meine Musik hören. Deswegen passe ich jetzt mehr auf, was ich in meiner Musik erzähle – aber es ist vom Ding her, der gleiche Charnell.“ (Quelle: http://jungemedienhamburg.wordpress.com/2009/11/30/charnell-taylor-%E2%80%9Eder-deutsche-rap-hat-schon-immer-in-der-krise-gesteckt%E2%80%9C-interview-0179/)

Seitdem Gangsta-Rap Mitte der 90er Jahre kommerziell immer erfolgreicher wurde und immer mehr Anhänger in der Hip-Hop Szene fand, haben sich viele Künstler in diesem Subgenre etabliert, wie außer den bereits genannten z. B. Massiv, Azad, Fler, MC Bogy, Nate57, Haftbefehl u.v.a.

Wer jedoch tatsächlich ein „Gangsta“ ist (und wer nicht), hierüber streiten sich mitunter die Gemüter.

Aber Gangsta-Rap ist nur eine von vielen Spielarten des Hip-Hop, das gilt auch in Deutschland.

Es gibt auch Künstler, die sich sehr bewusst und öffentlich hiervon abgrenzen möchte, wie z.B. Die fantastischen Vier oder Fettes Brot (Quelle: http://www.wdr.de/tv/wdr-dok/sendungsbeitraege/2011/0627/generation_hip_hop.jsp).

Oder Musiker, die früher Gangsta-Rapper waren und sich heute eher distanzieren, wie Charnells Aussage oben deutlich macht.

Fazit: Gangsta-Rap ist neben vielen Weiteren ein Teilbereich des Hip-Hop, der eine eigene Geschichte, (Ausprägungs-)kultur und Vertreter hat, wobei hier eine Grenze nicht immer klar erkennbar ist.

Bericht von Angelika Thimm

 

Quellen:

http://www.wdr.de/tv/wdr-dok/sendungsbeitraege/2011/0627/generation_hip_hop.jsp

http://de.wikipedia.org/wiki/Gangsta-Rap

http://de.wikipedia.org/wiki/Gangsta-Rap_in_Deutschland

http://deutscher-hip-hop.com/

http://www.hip-hop.de/musik/hiphoprap/artikel/article/gangster-rap-in-deutschland-kein-kindergarten-mehr-sondern-purer-ernst.html

http://www.zeit.de/2008/19/Rapper

http://www.elixic.de/gangster-rap/

http://jungemedienhamburg.wordpress.com/2009/11/30/charnell-taylor-%E2%80%9Eder-deutsche-rap-hat-schon-immer-in-der-krise-gesteckt%E2%80%9C-interview-0179/

http://www.laut.de/Charnell/Kriegserklaerung-an-Aggro-Berlin/29-04-2004

Advertisements


No Responses Yet to “Deutscher Hip-Hop – alles Gangsta?”

  1. Schreibe einen Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: